DOCZINS Konkret

Rechenaufgaben für deinen Berateralltag

(Alle 2 Wochen eine neue Aufgabe!)

Förderfähige Produkte Teil 1 v. 4 – in Anlehnung an das Altersvorsorgereformgesetz 2027

Kurz und knapp

  • Förderquoten, Förderrenditen in einer Zahl
  • Cashflow-Berechnungen (Zahlungsstromberechnungen) DocZins Profifunktionen erforderlich
  • Zuordnung von Begrifflichkeiten im AVmG


In den kommenden vier Teilen arbeiten wir das Thema Altersvorsorgereformgesetz auf. Wir wollen dabei die aktuell gültige Regelung in die neue Altersvorsorge-Reform ab 2027 überführen. „Rechnen statt Raten“ – und damit bewusste Entscheidungen treffen. Wir arbeiten uns in vier Teilen vor.

 

Teil 1: Die bisherige Förderlogik i AVmG-Produkten (Riester-Produkte)

Vorab: Im Jahr 2022 trat das Altersvermögensgesetz in Kraft. Auch nach 2026 werden Riester-Renten in der Vorsorgelandschaft existieren. Wir starten daher mit den Riester-Verträgen zu einem fiktiven Kunden.

 

Der konkrete Fall:

Der Beispielkunde ist 32 Jahre alt und plant den gesetzlichen Renteneintritt (GRV-pflichtig) mit 67 Jahren. Er hat ein Vorjahreseinkommen von 55.000 Euro (Grenzsteuersatz 35%). Da er ledig ist, erhält er nur die Grundzulage und eine darüber hinausgehende Steuerersparnis. Für die Berechnung der vollen Zulagen und Steuerersparnis betrachten wir das gesamte Kalenderjahr 2026. Der Kunde zahlt auch bei einem möglichen Start zum 01.09. oder 01.10. des Jahres den vollen Beitrag. Unser Kunde rechnet dabei mit dem maximal möglichen Eigenbeitrag. Wir gehen in unserer Berechnung davon aus, dass keine Überzahlung des Vertrages möglich ist. Primär steht die maximale mögliche Förderung im Mittelpunkt der Berechnungen.

 

Fragen:

  1. Wie hoch ist der maximal mögliche Eigenbeitrag des Kunden im Jahr 2026 – jährlich/ monatlich?
  2. Wie hoch ist die Gesamtförderung und die Förderquote im Jahr 2026.
  3. Wie hoch ist die Rendite bei einer unterstellten Rentenbetrachtung von 10, 15, 20 Jahren?

 

LÖSUNGEN

Antwort auf Frage 1. = Eigenbeitrag

4 % von 55.000 Euro = 2.200 Euro > (2.100 Euro – Zulage v. 175 Euro) = 1.925 Euro.
1.925 Euro ist der maximal ansetzbare Eigenbeitrag im Jahr (160,42 Euro monatlich).

Antwort auf Frage 2. = Förderquote, Förderung in Euro

Die Förderquote berechnet sich immer aus dem Verhältnis der Zulagen und der möglichen Steuerersparnis zu dem Gesamtaufwand.
Also:

Zunächst muss aber die mögliche Steuerersparnis berechnet werden.
(Vereinfachte Berechnung).

Jährlicher Eigenbeitrag x Grenzsteuersatz – gewährte Zulage
1.925 x 35 % – 175 Euro = 498,75 Euro

Die Förderquote bei der Riester-Rente ist das Verhältnis von staatlicher Förderung (Zulagen oder Steuervorteile) zum Gesamtaufwand. Um die volle Förderung zu erhalten, muss man jährlich 4 % des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens (maximal 2.100 Euro inklusive Zulagen) als Gesamtbeitrag entrichten.

Unser Beispielkunde erhält also 498,75 Euro im Folgejahr über die Einkommenssteuererklärung zurück.
Damit erhält er insgesamt eine Förderung von 673,75 Euro. (498,75 Euro +175 Euro)
Gehen wir von einem Gesamtbetrag von 2.100 Euro aus, so hat der Kunde einen Nettoaufwand von 1.426,25 Euro.

Gehen wir zurück in die Grundformel.

Wie sehen die Zahlen …

  • Gesamtförderung 673,75 Euro und eine
  • Förderquote von 32 %

… wirklich aus?

Wechseln wir zur Folgeaufgabe

 

Antwort auf Frage 3. = Renditebetrachtung über den Cashflow-Modus

Mit diesen Grundeingaben können wir die restlichen Werte über den Cashflow-Modus eingeben. Nachfolgendes Schaubild verdeutlicht die Eingaben von zwei Zahlungsströmen.

Wir starten den Cashflow-Modus mit der gelben Shift-Taste. In unsere Aufgabe betrachten wir nur die beiden Stränge 1 und 2. Der erste Strang betrachtet die Beitragsphase. Der zweie Strang betrachtet die entsprechende Rentenphase von 10/ 15/ 20 Jahren. Alle Werte müssen immer mit der Shift-Taste hinterlegt werden.

Merke: erst der Wert, dann die Shift-Taste und dann:

Perioden = Zeitraum (im konkreten Fall) in Monaten
Rate = der Zahl- oder Rentenbetrag in Euro
IRR eff% = die gesuchte Rendite (auch mit Shift abrufen)

Fortsetzung der Rechenaufgabe 3 I Garantiewerte für 10 Jahre Rentenphase:

Ansparphase = Strang 1
420 Shift Perioden 1 – 35 Jahre x 12 Monate = Ansparzeitraum
160,42 +/- Shift Rate 1 – der mtl. Sparbeitrag beträgt 160,42 Euro

Rentenphase = Strang 2
120 Shift Perioden 2 – 10 Jahre x 12 Monate = Rentenphase
228,57 Shift Rate 2 – der mtl. garantierte Rentenbetrag

Mit Shift IRR eff% ermitteln wir den Effektivzins = -4,29 %.

Nutzen Sie die obere Vorgehensweise, um nachfolgende Effektiv-Werte zu ermitteln. Effektivzins der Garantie- und Gesamtwerte einer Riester-Renten je Zeitraum. Das negative Vorzeichen weist auf eine negative Rendite hin. Der Einzahlungsbetrag ist höher als die Rente  über den entsprechenden Zeitraum.

Die Werte sprechen für sich. Erst ab einem bestimmten Renten-Bezugszeitraum rentiert sich das aktuelle Angebot. Sie haben natürlich Recht. Den zusätzlichen Steuervorteil haben wir bisher nicht mit einbezogen. Auch die steuerliche Auswirkung im Alter haben wir nicht mit einbezogen.

Hier können wir einen Ansatz setzen, indem wir den Steuervorteil von 498,75 Euro in der Ansparphase über den monatlichen Beitrag abziehen. Im Rentenalter reduzieren wir die Gesamtrente jeweils um 30 % steuerlichen Abzug (…immer von der Gesamtrente). Welche Auswirkungen werden sich dadurch ergeben? Lassen Sie uns zunächst die neuen Ausgangswerte ermitteln:

1. Die mtl. Sparbeiträge reduzieren sich auf 118,86 Euro ((1.925 – 498,75) ./12).
2. Die Gesamtrente von 412,51 Euro reduziert sich auf 288,76 Euro.
Damit wird erneut gerechnet:

Ansparphase bleibt bei 430 (35 Jahre x 12 Monate)

Auch hier rechnen wir im Cashflow-Modus des DocZins.
Effektivzins der Gesamtwerte einer Riester-Renten je Zeitraum nach Steuer

Fazit: Da die Kosten bereits in den ausgewiesenen Werten enthalten sind, sind wir am Ende von Teil 1 angekommen. Ich hoffe, Sie haben die Möglichkeit, alle Berechnungen individuell auf Ihre Kundensituationen zu übertragen. Die steuerliche Betrachtung reduziert die Rendite nochmals um ca. 0,2 Prozentpunkte. Eigentlich müssten wir nun auch noch die Inflation berücksichtigen. Das tun wir jedoch nicht. Nutzen Sie die vorhandenen Angebote in Ihrem Rechner, um die Vorgehensweise zu wiederholen und so die Festigung der Berechnungen sicherzustellen. Bis bald.

1. Welche Anlagesumme ist für die ewige Rente bei nominal 7 % / 7,23 % effektiv nachschüssige Betrachtung erforderlich?

2. Welcher Anlagebetrag ist für die eine monatliche Rente von 3.000 bei nominal 7 % / 7,23 % effektiv nachschüssige Betrachtung notwendig, wenn der Betrag über 20 Jahre reichen soll und am Ende 20.000 Euro übrig belieben sollen?

Anmerkung für die Berechnung mit dem Doc%Zins: Wir haben zwei Unbekannte (Start und Ende). Geht also nicht gleich in der Umsetzung über den Doc%Zins. Dieser lässt nur eine Unbekannte zu. Wir könnten uns nur durch Schätzen annähern. Einfacher ist es über die Barwertformel. Eine gute Möglichkeit, die erforderliche Kapitalsumme zu ermitteln. Bitte hier immer den Nominalzins ansetzen.

Nachschüssige Barwertformel: Barwert (B₀)
= jährliche Rente (R) / nominaler Zinssatz (i) im Dezimalwert.
= 36.000 ./. 0,07 = 514`285,71 Euro.

Wir gehen zurück in den Doc%Zins und rechnen die ewige Rente aus. Wir kennen den Start und den Endbetrag. Beide Werte sind bei der ewigen Rente identisch. Wir übernehmen 514.285,71 Euro.

Mit dieser Erkenntnis können wir spielen oder einfach auf Verzehr der Anfangssumme umstellen. Hier und da sicher eine sinnvolle 2. Berechnung in der Beratung.

Sie können hier bestimmte Werte einfach überschreiben. Wir haben diese Eingaben farbig markiert.

Wir könnten ewig so weiterechnen und die Zahlen an die Bedürfnisse oder auch Möglichkeiten des Kunden anpassen.

Letztlich sind Steuern und auch Inflation weiterhin ein Thema, welches wir hier im zweiten Bereich der Aufgabe aufnehmen wollen, ein nicht unbeachtlicher Block. Diesen schauen wir uns im 2. Bereich an.

AUFGABE 1

Welche Summe erzielt der Kunde mit Eintritt in die Rentenphase (67 Endalter = 12 Jahre)? Der klassische Sparplan der Bank bringt in diesem Beispiel 20.716,03 Euro zum Renteneintritt. Eingezahlt hat der Kunde über 12 Jahre übrigens 17.280 Euro. wir haben die Zinsen dazu auf „0“ gesetzt. Die Banania bietet dem Kunden eine fondsgebundene Rentenversicherung mit einer Nettorendite von 7,5 % gemäß Eiopa an. Nach Rückfragen erfährt der Kunde, dass sich diese Nettorendite (= wir definieren ihn als Effektivzins oder auch Effektivrendite ) auf den Bruttobeitrag von 120 Euro  bezieht. Investiert wird aber nur der Sparanteil. Dieser ist ja bekanntlich niedriger als die Bruttorate von 120 Euro. Nun wollen wir wissen, wie hoch denn das Ergebnis bei einer prognostizierten Nettorendite 7,5 % unter Berücksichtigung des von uns angenommen  Kostendeckels von 1,0 % ist. Nach Blick in Literatur, Gesetze und Verordnungen finden wir die Formel: Rechnungszins = Bruttorendite (bezieht sich nur auf den Sparanteil – hier dann 8.5%) ./. Nettorendite                          (bezieht sich auf den gesamten Beitrag – hier 7,5%) = Effektivkosten                                   (=Kostendeckel – hier 1,0%) Damit würde hier der Rechnungszins 8,5% betragen, eine angenehme Prognose. Ob sie realistisch ist, beweist der Markt.

1. Was kostetet den Kunden die monatliches Zahlungsweise im Jahr 2021?

2. Wie drückt sich der Zins von 11,99 % effektiv in dem monatlichen Zahlbetrag des Kunden aus?

Wir unterstellen zunächst die nachschüssige Zahlungsweise bei der ersten Berechnung!

Die Zahlungsweise (vor- oder nachschüssig) war im Angebot nicht zu erkennen. Wie gehen im weiteren Schritt von der vorschüssigen Zahlungsweise aus. Die Werte verbleiben im Speichen und wir ändern die Berechnung wie folgt.

Der Kunde zahlte im Jahr 2021 monatlich 372 Euro und somit insgesamt 4.464,00 Euro über das Jahr verteilt. Das entsprach einem Aufpreis von 437 Euro gegenüber der Einmalzahlung bzw. zusätzlichen Kosten von 36,42 Euro pro Monat. Daraus ergibt sich: Findet unser Kunde einen Kredit mit einem Effektivzins, der unter 21,29 % (nachschüssig) bzw. 25,80 % (vorschüssig) liegt, fährt er günstiger als mit dem Abonnementmodell der Bahn. Richtig gelesen – noch liegt der Fokus auf dem Jahr 2021. Mit dieser Erkenntnis und unter Berücksichtigung der aktuellen Konditionen wechseln wir nun in das Jahr 2026 und starten die Berechnung erneut. Beim Vergleich der Konditionen ergibt sich folgendes Bild

Kredit 11,99 % effektiv I nachschüssige Betrachtung.

Der Kunde zahlt monatlich 433,84 Euro und damit insgesamt 5.206,08 Euro im Jahr 2026. Das sind 307,08 Euro mehr an Gebühren und 25,59 Euro an Stückkosten je Monat. Immer dann, wenn unser Kunde einen Kredit findet, welcher unter dem Effektivzins von 11,99% (nachschüssig) liegt, kommt er günstiger als über das dargestellte Angebot. Die monatliche Zahlungsweise ist für Kunden gedacht, welche den jährlichen Betrag nicht aufbringen können oder wollen.

Anmerkung: wer bei Teilzahlung = faktisch gleich Ratenkredit nicht auf die Zahlungsweise vor- oder nachschüssig achtet, zahlt zu viel.

AUFGABE 2

Welche Summe erzielt der Kunde mit Eintritt in die Rentenphase (67 Endalter = 12 Jahre)?

Der Fondssparplan bringt in diesem Beispiel  27.430,24 Euro  zum Renteneintritt. Eingezahlt hat der Kunde über 12 Jahre übrigens 17.280 Euro. wir haben die Zinsen dazu auf „0“ gesetzt. Der Kunde lächelt, hat er doch rund 10.000 Euro mehr über 12 Jahre in Aussicht gegenüber seiner geleisteten Einzahlung.

Lass Dir aber auch immer die früheren Jahre im Verlauf der fondsgebundenen Rentenversicherung vorlegen!

Mit dieser Aufgabe zeigen wir, dass trotz der Effektivkosten eine Anlage in fondsgebundenen Rentenversicherungen oder in Investmentfonds schon bei geringer Risikobereitschaft sinnvoll ist. Der Break-even-point zwischen Banksparplan und fondsgebundener RV liegt hier bei einer Bruttorendite (hier = Rechnungszins so unsere Definition) von 4,0%, wenn der Kostendeckel 1,0% beträgt. Damit ist eine Risikoeinschätzung für den Kunden deutlich.

Liebe Leserin, lieber Leser!

In dem Eiopa-Bericht haben wir nicht die Definition der Nettorendite oder auch der Bruttorendite gefunden. Ob darunter der Effektivzins zu verstehen ist, ist uns nicht bekannt. Seien Sie sorgsam im Umgang mit Begrifflichkeiten. Begriffe wie: Nettorendite oder Bruttorendite sind umgangssprachlich üblich, fachlich aber nicht korrekt.

Ferner:

In aktuellen Publikationen wird von dem Steuersparmodell bei fondsgebundenen RVs geredet, als wenn dort die Erträge aus Spekulationsgewinnen, Dividenden oder Zinsen steuerfrei wären. Selten oder nie wird darauf hingewiesen, dass diese  Erträge der eingebundenen Investmentfonds während der Laufzeit bei solchen Erträgen real mit 15% besteuert werden.

Jedenfalls hat der BVI darauf zu Recht hingewiesen. Bei einer Kapitalauszahlung am Ende der Laufzeit wird das Halbeinkünfteverfahren unter Berücksichtigung einer Teilfreistellung durchgeführt.

Bei unserem Banksparplan fällt die normale Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer an, wenn Zinsen und Spekulationsgewinne realisiert werden. Das gilt, wenn die Freibeträge ausgeschöpft sind.