DOCZINS Konkret
Rechenaufgaben für deinen Berateralltag
(Alle 2 Wochen eine neue Aufgabe!)
Fondsgebundene Rentenversicherung (RV) kontra Banksparplan
Eiopa, die europäische Versicherungsaufsicht, publizierte vor kurzem gemäß eines Berichts, s. Versicherungsjournal vom 13.04.2026, in dem für 2024 eine durchschnittliche Nettorendite von 7,5% für mittlere und geringe Anlagerisiken bei fondsgebundenen Lebens-/Rentenversicherungen. Wie die Nettorendite definiert ist, wurde nicht genannt.
Ferner wurde ja im März 2026 das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet, wobei ein Kostendeckel für solche Produkte von maximal 1,0% festgelegt wurde. Soweit die Planung. Bekanntlich interessiert den Kunden bei Kapitalanlagen nur das, was er netto nach Kosten und Steuern in der Tasche behält. In den folgenden Aufgabe blenden wir die Steuern zunächst aus.
Produkte und ihre Rendite
Da gibt es den 55-jährigen Kunden. Er hält den Artikel zu den Fondspolicen und deren Nettorenditen aus dem Jahr 2024 in den Händen. Mit diesem Wissen steht er nun bei Dir im Büro und will eine klare Aussagen zu nachfolgenden Szenarien.
Szenario 1: Der 55 jährige Kunde ist zunächst skeptisch und hat ein Angebot über 12 Jahre mit einem klassischen Sparplan von seiner Hausbank mitgebracht. Dieser bietet ihm 3 % effektiv auf 120 Euro monatliche Sparrate.
Gebühren und Kosten fallen weiter keine an.
1. Welche Anlagesumme ist für die ewige Rente bei nominal 7 % / 7,23 % effektiv nachschüssige Betrachtung erforderlich?
2. Welcher Anlagebetrag ist für die eine monatliche Rente von 3.000 bei nominal 7 % / 7,23 % effektiv nachschüssige Betrachtung notwendig, wenn der Betrag über 20 Jahre reichen soll und am Ende 20.000 Euro übrig belieben sollen?
Anmerkung für die Berechnung mit dem Doc%Zins: Wir haben zwei Unbekannte (Start und Ende). Geht also nicht gleich in der Umsetzung über den Doc%Zins. Dieser lässt nur eine Unbekannte zu. Wir könnten uns nur durch Schätzen annähern. Einfacher ist es über die Barwertformel. Eine gute Möglichkeit, die erforderliche Kapitalsumme zu ermitteln. Bitte hier immer den Nominalzins ansetzen.
Nachschüssige Barwertformel: Barwert (B₀)
= jährliche Rente (R) / nominaler Zinssatz (i) im Dezimalwert.
= 36.000 ./. 0,07 = 514`285,71 Euro.
Wir gehen zurück in den Doc%Zins und rechnen die ewige Rente aus. Wir kennen den Start und den Endbetrag. Beide Werte sind bei der ewigen Rente identisch. Wir übernehmen 514.285,71 Euro.

Mit dieser Erkenntnis können wir spielen oder einfach auf Verzehr der Anfangssumme umstellen. Hier und da sicher eine sinnvolle 2. Berechnung in der Beratung.
Sie können hier bestimmte Werte einfach überschreiben. Wir haben diese Eingaben farbig markiert.

Wir könnten ewig so weiterechnen und die Zahlen an die Bedürfnisse oder auch Möglichkeiten des Kunden anpassen.
Letztlich sind Steuern und auch Inflation weiterhin ein Thema, welches wir hier im zweiten Bereich der Aufgabe aufnehmen wollen, ein nicht unbeachtlicher Block. Diesen schauen wir uns im 2. Bereich an.
AUFGABE 1
Welche Summe erzielt der Kunde mit Eintritt in die Rentenphase (67 Endalter = 12 Jahre)?

Der klassische Sparplan der Bank bringt in diesem Beispiel 20.716,03 Euro zum Renteneintritt. Eingezahlt hat der Kunde über 12 Jahre übrigens 17.280 Euro. wir haben die Zinsen dazu auf „0“ gesetzt.
Die Banania bietet dem Kunden eine fondsgebundene Rentenversicherung mit einer Nettorendite von 7,5 % gemäß Eiopa an. Nach Rückfragen erfährt der Kunde, dass sich diese Nettorendite (= wir definieren ihn als Effektivzins oder auch Effektivrendite ) auf den Bruttobeitrag von 120 Euro bezieht. Investiert wird aber nur der Sparanteil.
Dieser ist ja bekanntlich niedriger als die Bruttorate von 120 Euro.
Nun wollen wir wissen, wie hoch denn das Ergebnis bei einer prognostizierten Nettorendite 7,5 % unter Berücksichtigung des von uns angenommen Kostendeckels von 1,0 % ist.
Nach Blick in Literatur, Gesetze und Verordnungen finden wir die Formel:
Rechnungszins = Bruttorendite (bezieht sich nur auf den Sparanteil – hier dann 8.5%)
./. Nettorendite (bezieht sich auf den gesamten Beitrag – hier 7,5%)
= Effektivkosten (=Kostendeckel – hier 1,0%)
Damit würde hier der Rechnungszins 8,5% betragen, eine angenehme Prognose. Ob sie realistisch ist, beweist der Markt.
1. Was kostetet den Kunden die monatliches Zahlungsweise im Jahr 2021?
2. Wie drückt sich der Zins von 11,99 % effektiv in dem monatlichen Zahlbetrag des Kunden aus?
Wir unterstellen zunächst die nachschüssige Zahlungsweise bei der ersten Berechnung!


Die Zahlungsweise (vor- oder nachschüssig) war im Angebot nicht zu erkennen. Wie gehen im weiteren Schritt von der vorschüssigen Zahlungsweise aus. Die Werte verbleiben im Speichen und wir ändern die Berechnung wie folgt.

Der Kunde zahlte im Jahr 2021 monatlich 372 Euro und somit insgesamt 4.464,00 Euro über das Jahr verteilt. Das entsprach einem Aufpreis von 437 Euro gegenüber der Einmalzahlung bzw. zusätzlichen Kosten von 36,42 Euro pro Monat. Daraus ergibt sich: Findet unser Kunde einen Kredit mit einem Effektivzins, der unter 21,29 % (nachschüssig) bzw. 25,80 % (vorschüssig) liegt, fährt er günstiger als mit dem Abonnementmodell der Bahn. Richtig gelesen – noch liegt der Fokus auf dem Jahr 2021. Mit dieser Erkenntnis und unter Berücksichtigung der aktuellen Konditionen wechseln wir nun in das Jahr 2026 und starten die Berechnung erneut. Beim Vergleich der Konditionen ergibt sich folgendes Bild
Kredit 11,99 % effektiv I nachschüssige Betrachtung.

Der Kunde zahlt monatlich 433,84 Euro und damit insgesamt 5.206,08 Euro im Jahr 2026. Das sind 307,08 Euro mehr an Gebühren und 25,59 Euro an Stückkosten je Monat. Immer dann, wenn unser Kunde einen Kredit findet, welcher unter dem Effektivzins von 11,99% (nachschüssig) liegt, kommt er günstiger als über das dargestellte Angebot. Die monatliche Zahlungsweise ist für Kunden gedacht, welche den jährlichen Betrag nicht aufbringen können oder wollen.
Anmerkung: wer bei Teilzahlung = faktisch gleich Ratenkredit nicht auf die Zahlungsweise vor- oder nachschüssig achtet, zahlt zu viel.
AUFGABE 2
Welche Summe erzielt der Kunde mit Eintritt in die Rentenphase (67 Endalter = 12 Jahre)?

Der Fondssparplan bringt in diesem Beispiel 27.430,24 Euro zum Renteneintritt. Eingezahlt hat der Kunde über 12 Jahre übrigens 17.280 Euro. wir haben die Zinsen dazu auf „0“ gesetzt. Der Kunde lächelt, hat er doch rund 10.000 Euro mehr über 12 Jahre in Aussicht gegenüber seiner geleisteten Einzahlung.
Lass Dir aber auch immer die früheren Jahre im Verlauf der fondsgebundenen Rentenversicherung vorlegen!
Mit dieser Aufgabe zeigen wir, dass trotz der Effektivkosten eine Anlage in fondsgebundenen Rentenversicherungen oder in Investmentfonds schon bei geringer Risikobereitschaft sinnvoll ist. Der Break-even-point zwischen Banksparplan und fondsgebundener RV liegt hier bei einer Bruttorendite (hier = Rechnungszins so unsere Definition) von 4,0%, wenn der Kostendeckel 1,0% beträgt. Damit ist eine Risikoeinschätzung für den Kunden deutlich.
Liebe Leserin, lieber Leser!
In dem Eiopa-Bericht haben wir nicht die Definition der Nettorendite oder auch der Bruttorendite gefunden. Ob darunter der Effektivzins zu verstehen ist, ist uns nicht bekannt. Seien Sie sorgsam im Umgang mit Begrifflichkeiten. Begriffe wie: Nettorendite oder Bruttorendite sind umgangssprachlich üblich, fachlich aber nicht korrekt.
Ferner:
In aktuellen Publikationen wird von dem Steuersparmodell bei fondsgebundenen RVs geredet, als wenn dort die Erträge aus Spekulationsgewinnen, Dividenden oder Zinsen steuerfrei wären. Selten oder nie wird darauf hingewiesen, dass diese Erträge der eingebundenen Investmentfonds während der Laufzeit bei solchen Erträgen real mit 15% besteuert werden.
Jedenfalls hat der BVI darauf zu Recht hingewiesen. Bei einer Kapitalauszahlung am Ende der Laufzeit wird das Halbeinkünfteverfahren unter Berücksichtigung einer Teilfreistellung durchgeführt.
Bei unserem Banksparplan fällt die normale Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer an, wenn Zinsen und Spekulationsgewinne realisiert werden. Das gilt, wenn die Freibeträge ausgeschöpft sind.